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Der Flughafen College Park Im Us-bundesstaat Maryland


Der Flughafen College Park Im Us-bundesstaat Maryland

Stell dir vor, du stehst auf einem Flughafen. Aber nicht irgendeinem. Der Rasen ist ein bisschen wellig, die Landebahn besteht aus Gras, und die Flugzeuge – das sind quietschbunte, wacklige Kisten aus Sperrholz und Stoff, die aussehen, als hätte sie dein Großvater im Schuppen gebastelt. Herzlich willkommen auf dem Flughafen College Park im US-Bundesstaat Maryland. Und jetzt halt dich fest: Das ist nämlich der älteste, immer noch betriebene Flughafen der Welt.

Jetzt denkst du: „Alter Flughafen? Staubig, langweilig, Betonwüste?“ Falsch gedacht. Dieser Ort ist das pure Gegenteil. Er liegt gleich neben der University of Maryland, aber wenn du die Straße runterkommst, siehst du nicht die üblichen Jets und Duty-Free-Shops. Du siehst eine große grüne Wiese, ein paar windschiefe Hangars aus den 1920ern – und im Sommer landet dort die „Flying Scooter“, ein Flugzeug, das wie ein übermotorisiertes Dreirad mit Flügeln aussieht. Hier hat Wilbur Wright, ja, der Wright aus den Gebrüdern Wright, 1909 die ersten Flugschüler unterrichtet. Der US-Kongress hatte ein Auge auf die Militär-Luftfahrt geworfen und ließ die Army-Piloten hier trainieren.

Ein Flughafen für Zeitmaschinen

Das Lustige ist: College Park hat die Zeit vergessen. Die allermeisten Flugzeuge hier sind Oldtimer. Du siehst eine Stearman Doppeldecker aus den 40ern, die aussieht, als wäre sie von einem Comic-Zeichner entworfen worden. Und da drüben fliegt jemand eine Pitts Special, ein Miniatur-Kunstflugzeug, das so wendig ist, dass es dir fast im Vorbeifliegen ein High-Five gibt. Die Piloten tragen oft Lederkappen und Fliegerbrillen, als ob sie gerade aus einem Indiana Jones-Film ausgestiegen sind. Der Flughafen ist kein Ort für Business-Class-Snobs, sondern ein Clubhaus für Träumer und Tüftler.

„Es gibt hier keine Sicherheitskontrollen. Du gehst einfach vom Parkplatz rüber zum Flugzeug. Die einzige Gefahr ist, dass dir ein Pilot eine lustige Geschichte über eine Bruchlandung im Jahr 1923 erzählt und du dabei vergisst zu atmen.“ – sagt ein lokaler Enthusiast lachend.

Der Tag, an dem ein Mähdrescher startete

Und dann ist da noch das Herzstück: das College Park Aviation Museum. Ein cooles, kleines Haus direkt neben der Wiese. Da drin hängt u.a. eine Fokker D.VII von der Decke – ein deutscher Jagdflieger aus dem Ersten Weltkrieg. Aber der absolute Clou? Ein nachgebauter „Graspflücker“ – ein früher Hubschrauber, der eher einer Fliegenklatsche mit Motor glich. Die Leute nennen ihn liebevoll den „fliegenden Schrotthaufen“, weil der Erfinder Emile Berliner (ja, der mit dem Grammophon!) 1909 seinen ersten Hubschrauberflug hier versuchte. Das Ding hüpfte nur, flog aber nicht richtig – aber hey, der Versuch zählt!

College Park Airport - Oldest Airport Still Operating in the World
College Park Airport - Oldest Airport Still Operating in the World

Weil Fliegen ein Fest ist

An einem sonnigen Samstag im Mai ist der Flughafen wie ein Volksfest. Familien breiten Decken auf dem Grün neben der Landebahn aus. Kinder rennen hinter Gummiballons her, während ein uralter „Cub“, ein gelbes Zeltflugzeug, mit offenem Cockpit über ihre Köpfe hinwegbrummt. Der Sound ist nicht das laute, dröhnende Jet-Getöse – es ist ein freundliches, summendes „Put-put-put“, wie ein Rasenmäher auf Urlaub. Die Piloten winken oft. Wenn du nett fragst, zeigen sie dir ihren Motor und erklären, wie man eine Schraube festzieht, die sich während des Fluges gelockert hat. Und plötzlich verstehst du: Fliegen ist hier nicht nur Technik, sondern eine liebenswerte, etwas verrückte Leidenschaft. Eine Leidenschaft, die so alt ist wie die Fliegerei selbst – und die auf einer grünen Wiese in Maryland einfach weiterlebt.

College Park ist der Beweis, dass man nicht immer schneller, höher, weiter muss. Manchmal reicht es auch, langsamer, tiefer und ein bisschen schrulliger zu sein. Und dabei trotzdem Geschichte zu schreiben.

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