counter create hit

Wie Viel Verdient Man


Wie Viel Verdient Man

Kennen Sie das? Sie liegen nachts wach und starren an die Decke, während Ihr Gehirn eine Endlosschleife abspult: „Wie viel verdient man eigentlich? Was kriegt der Nachbar? Und warum hat der Typ aus der Schulzeit, der nie seine Hausaufgaben gemacht hat, jetzt ein Haus mit Pool?“ Willkommen im Club der stillen Gehaltsvergleicher. Wir machen alle mit, auch wenn keiner es zugibt.

Das Thema „Wie viel verdient man?“ ist so deutsch wie Sonntagsruhe und Stau auf der A3. Es ist ein Tanz auf dem Drahtseil zwischen Neugier und Peinlichkeit. Fragen Sie jemanden direkt nach seinem Gehalt, und Sie bekommen entweder einen verwirrten Blick oder eine charmant verpackte Lüge. „Ach, es reicht so gerade fürs Butterbrot und ab und zu einen Döner extra.“ Dabei wissen wir: Jeder hat eine Zahl im Kopf. Eine geheime, unausgesprochene Zahl, die über das eigene Selbstwertgefühl entscheidet – zumindest für ein paar Minuten auf der nächsten Party.

Denken Sie an die Gehaltsverhandlungen. Ein seltsames Ritual, bei dem Sie Ihr Gegenüber davon überzeugen müssen, dass Ihre Excel-Kenntnisse mindestens 500 Euro pro Monat mehr wert sind als die des Kollegen, der immer zu spät kommt. Sie sitzen da, zittern innerlich wie ein Wackelpudding in der Mikrowelle, und sagen: „Ja, also, ich denke, 5.000 Euro wären … angemessen?“ – während Ihr Gehirn brüllt: „Bitte sag 4.500! Ich nehme auch 4.000! Ich arbeite auch für ein Eis am Stiel!“

Must Read

Die große Illusion der Berufsgruppen

Haben Sie schon einmal überlegt, was der Arzt verdient? Oder der Influencer? Der Bäcker, der morgens um vier die Brötchen backt? Ich hatte mal einen Freund, der war Softwareentwickler. Er hat mir seine Steuererklärung gezeigt – und ich dachte, ich müsste mich umbenennen in „Der Typ, der sein Geld mit Luft und guten Wünschen verdient“. Während er sechsstellig verdiente, verhandelte ich mit einem Kunden über 50 Euro Rabatt für einen gebrauchten Drucker. Die Ungerechtigkeit! Aber dann meckerte er über die „furchtbare Steuerlast“ und ich fühlte mich kurz besser. Sie sehen: Neid und Schadenfreude sind die zwei Seiten derselben Medaille.

Und die Selbstständigen? Oh, die Selbstständigen! Sie sind die Könige des Geschwafels. „Ach, im Monat mache ich mal 10.000, mal 0. Es kommt auf den Wind an. Aber Freiheit ist unbezahlbar!“ Freiheit, ja. Freiheit, um 3 Uhr morgens Rechnungen zu schreiben, während der Festangestellte nebenan gemütlich „Tatort“ schaut. Die Wahrheit? Manchmal beneiden Sie den Beamten mit seiner sicheren Pension. Und manchmal beneidet der Beamte den Freelancer, der um 11 Uhr im Park Kaffee trinkt, weil er gerade niemandem Rechenschaft schuldig ist. „Wie viel verdient man?“ – Die Antwort ist fast immer: „Niemals genug, aber immer zu viel für jemand anderen.“

Infografik: In welchem Alter verdient man am besten? | Statista
Infografik: In welchem Alter verdient man am besten? | Statista

Der große Tarifdschungel

In Deutschland gibt es für fast alles einen Tarifvertrag. Da steht drin, was ein Metaller bekommt, was eine Erzieherin bekommt, und dass der Chef mindestens dreimal so viel verdienen muss, damit es sich lohnt. Lustigerweise reden alle über Tarife, aber keiner versteht sie wirklich. „Ich bin in EG 12 Stufe 4“ – das klingt für Laien wie ein Passwort für den Atomwaffensafe. Dabei meint es nur: „Ich bekomme genug, um mir ab und zu eine gute Flasche Wein zu kaufen, aber nicht genug, um mir Sorgen zu machen, wenn der Kühlschrank kaputtgeht.“

Und dann gibt es noch das Mythos vom „gutem Gehalt“. Wenn Sie nach Hause kommen und sagen: „Schatz, ich hab eine Gehaltserhöhung von 2,5 Prozent bekommen!“ – dann ernten Sie meist einen Blick, der sagt: „Das sind doch genau 1,50 Euro mehr pro Tag. Kauf dir einen Kaugummi davon.“ Aber innerlich strahlen Sie. Weil jede Erhöhung ein Sieg ist über den inneren Zweifel, dass man eigentlich vielleicht doch „nicht so viel wert ist“.

Ländervergleich: Wo man am besten verdient | STERN.de
Ländervergleich: Wo man am besten verdient | STERN.de

Die Pointe des Ganzen

Am Ende des Tages geht es nicht um die Zahl auf dem Konto. Wirklich nicht. Das sagt jeder, und es stimmt sogar ein bisschen. Ich kenne jemanden, der verdient sehr gut, kauft sich aber von allem die billigste Version. Und ich kenne eine Lehrerin, die mit Mitte 30 ein Häuschen am See hat, weil ihr Partner „nur“ Handwerker ist und nebenbei Möbel restauriert. Das Geheimnis ist nicht die Höhe des Einkommens, sondern was man damit anfängt. Und vor allem: Wie sehr man sich selbst im Spiegel angucken kann, ohne zu denken: „Ich arbeite für einen Haufen Papier mit Gesichtern drauf.“

Also: Fragen Sie ruhig weiter nach dem Gehalt. Lassen Sie sich die absurden Geschichten erzählen. Aber wenn Sie das nächste Mal nachts wach liegen und grübeln: „Wie viel verdient man eigentlich? Und vor allem: Wie viel verdient DER DA?“ – dann denken Sie an meinen Spruch: Jeder hat eine Anzahlung aufs Glück. Manche zahlen bar, manche mit Raten. Hauptsache, Sie laden nicht nur ein leeres Konto auf – sondern auch ein volles Leben.

Und jetzt gehen Sie raus und kaufen sich das Eis. Oder den Döner. Sie haben es sich verdient. Irgendwie.

You may also like