Was Ist Zu Tun Bei Sterbefall
Na, wer hat heute schon den “Was Ist Zu Tun Bei Sterbefall”-Flyer gelesen? Keiner? Super. Dann sind wir schon auf dem gleichen Stand. Ehrlich gesagt: Dieses Heftchen löst bei mir sofort eine leichte Panik aus, gefolgt von einer Art Zombie-Verwirrung. Alles fühlt sich an wie ein düsteres Brettspiel, bei dem man plötzlich die Anleitung für eine Beerdigung braucht – und die ist völlig unleserlich.
Meine unbequeme Meinung? Die meisten Ratschläge für den Ernstfall sind übertrieben. Wir stellen uns das wie einen Notfall-Parcours vor: “Sofort den Bestatter rufen! Dann zum Standesamt! Dann die Krankenkasse!” – Halt. Stop. Atme. In echt ist der erste Schritt: Tee kochen. Und danach vielleicht eine Stunde lang einfach nur auf die Wand starren. Wenn das ein Amt ist, bin ich der Amtsleiter.
Ich behaupte: Das wichtigste Dokument in diesem Moment ist nicht der Totenschein, sondern die Müslischachtel. Ja, wirklich. Denn solange du nicht isst, denkst du nur an Ämter. Und das ist der sichere Weg in den Wahnsinn.
Der erste Schritt im Sterbefall-Ratgeber ist immer “sofort handeln”. Aber mal ehrlich: Wer handelt denn “sofort” nach so einer Nachricht? Man steht da, mit einem Heißhunger auf Schokolade und einer völligen Leere im Kopf. Der Ratgeber sagt: “Klären Sie, ob der Verstorbene einen Bestattungsvorsorgevertrag hatte.” Ha! Als ob ich jetzt wüsste, wo der Ordner mit den Verträgen ist. Vielleicht ist er hinter der Kaffeemaschine? Sehr wahrscheinlich.
Und dann dieses Bürokratie-Wunder: Sterbeurkunden. Du brauchst sie für die Bank, die Versicherung, die Rente und vermutlich auch für die Rückgabe der Bibliotheksbücher. Der Standesbeamte schaut dich an, als ob du gerade “Ich möchte einen Papierflieger bauen” gesagt hättest. Du stehst da, mit roten Augen, und füllst ein Formular aus, das fünf Meter lang ist. Der Stift ist kratzig, die Luft ist stickig, und du fragst dich: “Warum gibt es dafür nicht eine App?”

Mein ultimativer, unpopulärer Tipp: Machen Sie sich eine Liste – aber keine offizielle. Sondern eine mit drei Dingen: 1. Süßigkeiten besorgen. 2. Freunde anrufen, die den gleichen schlechten Humor haben. 3. Den Was Ist Zu Tun-Flyer in die Ecke schmeißen. Klingt respektlos? Vielleicht. Aber es ist ehrlicher. Denn in Wahrheit heißen die ersten Schritte: Weinen, Lachen, Vergessen – in dieser Reihenfolge.
“Unser Tod ist nicht die Katastrophe, sondern das Formular danach.” – das hätte ein weiser Mensch sagen können. Oder ein verwirrter Bürokrat.
Die Bestatter sind natürlich Profis. Aber selbst die sagen untereinander: “Geben Sie den Leuten doch etwas Luft.” Und was machen wir stattdessen? Wir hetzen von Friedhof zu Notar. Wir kümmern uns um Abmeldungen, als ob der Verstorbene eine alte Zeitungsabonnement wäre. “Hallo, ich möchte meinen Vater abmelden”, sagst du am Telefon. Die Stimme am anderen Ende: “Haben Sie die Kundennummer?” – Nein, die habe ich nicht. Ich habe nur ein zerknittertes Taschentuch und einen Knoten im Magen.

Deshalb: Mein Plädoyer für eine neue Checkliste. Statt “Was Ist Zu Tun Bei Sterbefall” nennen wir sie “Was Ist Zu Lassen Bei Sterbefall”. Punkt eins: Gefühle haben. Punkt zwei: Nichts tun. Punkt drei: Alles später tun. Klingt radikal? Ja. Aber vielleicht ist genau das der humane Weg. Und wenn der Amtsrichter fragt, sagen wir: “Ich hatte einen Kuchen im Ofen. Prioritäten, wissen Sie?”
Denken Sie daran: Der Flyer ist nur Papier. Sie sind aus Fleisch und Blut. Also: Atmen Sie. Und wenn alles zu viel wird – legen Sie den Flyer zur Seite. Er läuft nicht weg. Aber Sie brauchen erst einmal Ruhe. Und vielleicht einen starken Kaffee.
So. Jetzt wissen Sie, was zu tun ist: Nichts. Und das ist völlig in Ordnung.
