1 10 Philharmoniker Preis
Stellen Sie sich vor: Sie sind ein Orchester. Vierzig, fünfzig, manchmal hundert Musiker. Sie sitzen da, Seite an Seite, und spielen seit Stunden. Ihre Finger tun weh. Die Lippen sind trocken. Der Dirigent wedelt wie ein Windmühlenflügel. Und dann, nach einem gewaltigen Schlussakkord, explodiert der Applaus. Wer bekommt den ganzen Ruhm? Der Dirigent. Immer. Jedes Mal.
Dagegen gibt es den 1.10 Philharmoniker Preis. Klingt edel, oder? Klingt nach Gold, Samt und Champagner. Die Wahrheit ist: Der Preis ist eine Art Wiedergutmachung für all die Jahre im Schatten. Er geht an den Musiker, der hinter dem Dirigenten sitzt. Derjenige, der nie die Verbeugung bekommt. Derjenige, der den einen falschen Ton spielt – und sofort von allen gehört wird.
Jetzt kommt meine unpopuläre Meinung. Halten Sie sich fest: Der 1.10 Philharmoniker Preis ist absolut überbewertet. Ja, richtig gelesen. Ich finde, wir sollten ihn abschaffen. Oder zumindest umbenennen in: "Du-kriegst-einen-Keks-weil-du-nicht-ausgerastet-bist-Preis".
„Aber es ist doch schön, den stillen Helden zu ehren!“, höre ich Sie rufen. Nein, ist es nicht. Es ist demütigend.
Denken Sie mal nach. Was sagt der Preis eigentlich aus? „Herzlichen Glückwunsch, Sie sind der beste Musiker. Aber nicht gut genug für den Solistenposten. Hier, nehmen Sie diese Trophäe. Sie sieht aus wie eine kleine Geige. Stellen Sie sie neben Ihren Wecker.“

Ist das nicht ein bisschen wie der „Zweitbester-Angestellter-des-Monats-Preis“? Sie arbeiten wie ein Pferd. Sie machen keine Fehler. Sie kommen früher und gehen später. Und dann bekommen Sie eine Urkunde mit einem aufgedruckten Lächeln. Gleichzeitig bekommt der Typ im Vorzimmer, der nur gut aussieht und "Prozente" sagt, die dicke Bonuszahlung.
Genauso ist es in der Philharmonie. Die erste Geige spielt die Melodie. Die anderen Geigen – die zweiten Geigen – die spielen nur Begleitung. Ständig. Ihr ganzes Leben lang. Sie denken: „Morgen spiele ich das hohe C.“ Aber nein. Morgen spielen sie wieder das tiefe G. Und dann bekommen sie den 1.10 Preis.
Ich sage: Lasst die Gala. Lasst die Reden. Gebt diesen Musikern stattdessen echte Macht! Lasst sie einmal den Dirigenten anschreien! Lasst sie einmal die Partitur umschreiben! Einfach so. „Ab Takt 47 spielt jetzt die Klarinette den Solopart. Und der Dirigent pustet Luft durch die Backen.“

Stellen Sie sich die Freude vor. Der 1.10 Preisträger steht auf, nimmt das Pult, winkt dem Dirigenten zur Seite und sagt: „Setz dich, Schatz. Heute rocke ich die Fünfte von Beethoven.“ Das wäre Entertainment! Das wäre echter Respekt.
Aber nein. Die Tradition ist stärker. Der Preis bleibt. Und jedes Jahr wird ein neuer, braver Musiker ausgewählt. Er lächelt. Er nimmt die kleine, goldene Note entgegen. Er denkt: „Immerhin.“ Und wir klatschen. Wir klatschen für den Fleiß. Für die Ausdauer. Für das stille Leiden.

Ehrlich: Der einzige, der wirklich was von diesem Preis hat, ist der Pressesprecher der Philharmonie. Er kann eine nette Pressemitteilung schreiben. „Wir ehren die Basis!“ Super. Die Basis bekommt einen Blumentopf und eine Einladung zum Stehempfang mit Mineralwasser.
Also, verehrte Leser, wenn Sie das nächste Mal von einem 1.10 Philharmoniker Preis hören, denken Sie an meine Worte. Lachen Sie. Aber lachen Sie mit einem Augenzwinkern. Denn tief im Inneren wissen wir alle: Der wahre Star ist der Paukist. Der haut einmal richtig drauf, und alle wachen auf. Der braucht keinen Preis. Der braucht einen Helm, weil der Dirigent immer so mit dem Stock wedelt.
Und die Violinistin auf Platz 10? Die bekommt nächstes Jahr vielleicht den 1.11 Preis. Wetten?
