Urban Loritz Platz 4
Stell dir vor, du besuchst einen Freund in einer Stadt, die du nicht kennst. Du hast die Adresse: Urban Loritz Platz 4. Dein Navi sagt, du bist da, aber dein Auge sieht … na ja, erstmal einen Kreisel. Einen riesigen, sonnengeküssten Beton-Donut auf einem Hügel, um den die Autos wie aufgeregte Ameisen kreisen. Und du denkst: „Soll das etwa ein Wohnhaus sein? Oder hat da jemand eine Parkbank aus Versehen auf eine Ufo-Landeplatte gesetzt?“
Genau so geht es jedem, der zum ersten Mal am Urban Loritz Platz 4 auftaucht. Dieses Gebäude ist kein stiller Verstecker. Es ist der laute, extravagante Onkel auf der Familienfeier der Wiener Architektur. Er trägt eine glitzernde Weste zu den Turnschuhen, und alle starren hin. Und wisst ihr was? Nach einer Weile will man ihn einfach knuddeln.
Der Kreisel, der alles verändert
Die meisten Plätze sind einfach … platt. Wie ein aufgeschlagenes Buch. Aber der Urban-Loritz-Platz hat einen Bucket. Einen richtigen, runden, acht Meter hohen Buckel aus Beton. Der heißt „Stern“ und ist wie der Korken einer Flasche Sekt – er hält alles zusammen, aber ohne ihn würden wir einfach nur rumliegen. Ich hab mal eine Frau gesehen, die dort oben in der Sonne saß und Zeitung las. Sie wirkte wie ein Matrose auf dem Ausguck eines verlorenen Schiffs. Völlig entspannt, während unten die Autos um sie herumwuselten. Das ist das Geniale: Man ist mittendrin und doch drüber weg.
Und dann die U-Bahn-Station. Die ist nicht einfach ein Loch im Boden. Sie ist ein gläserner Röntgenblick in den Bauch der Stadt. Wenn du aus dem Zug steigst, siehst du die Kuppel leuchten, und du denkst: „Aha, hier treffen sich also die unterirdischen U-Bahn-Würmer und der oberirdische Autowahn.“ Es ist wie ein Treffen der Welten, nur ohne Raumanzüge.
Was macht man hier eigentlich?
Nun, erstmal: Schauen. Man steht auf dem Platz und schaut den Leuten zu, die aus der U-Bahn kommen wie Gummibären aus einer Tüte. Da gibt es die Studentin mit dem Laptop, die den Hügel runterrennt, weil sie zu spät zur Uni kommt. Oder den älteren Herrn, der seinen Hund auf dem Betonbuckel freudig um die Wette laufen lässt – der Hund denkt, das sei der geilste Skatepark der Welt. Und vielleicht hat er damit recht?

Ein echter Geheimtipp ist die Begegnungszone um das Ufo herum. Du denkst, du gehst nur über einen Fußweg, aber plötzlich fährst du fast ein Fahrradfahrer über den Haufen. Oder umgekehrt: Ein Radfahrer muss vor einer Oma mit Rollator bremsen, die entschlossen ihre Runde dreht. Es ist ein friedliches Chaos, wie ein Tanz, den alle noch nicht richtig können, aber mit einem freundlichen Lächeln üben. Ich hab da mal einen Typen gesehen, der auf einem dieser grauen Bänke ein Bananenbrot aß, während er einem Tauben-Duo beim Flirten zusah. Urban Loritz Platz 4 ist der Ort, an dem Alltag zur Bühne wird.
Die Wohnungen: Beton, der umarmt
Jetzt mal kurz ehrlich: Die Wohnungen in dem Gebäude selbst sind nicht für ängstliche Seelen. Der Architekt, ein gewisser Wilhelm Holzbauer, hat sich gedacht: „Warum nicht mal einen Querschnitt durch einen Berg bauen? Mit Fenstern, die wie Gucklöcher wirken?“ Und so hat man aus der Wohnung das Gefühl, in einem modernen Höhlenlabyrinth zu leben. Aber dafür ist die Aussicht ein Knaller. Du sitzt auf deinem Sofa, blickst auf den Hügel, und siehst, wie die Autos den Kreisel entlangfließen. Du denkst: „Die da unten hetzen, ich hier oben genieße meinen Kaffee. Haha, Leben.“

Manche Leute nennen das Gebäude „hässlich“. Das finde ich unfair. Es ist eher gewöhnungsintensiv, wie ein guter Käse. Nach dem dritten Besuch findest du den Beton fast schön. Und wenn die Abendsonne die Kuppel in Gold taucht, sieht es aus, als hätte ein Riese eine Monumental-Skulptur für sich selbst gebaut. Da kann selbst der schnöde Beton glänzen.
Das wahre Leben am Kreisel
Was ich am Urban Loritz Platz 4 am meisten liebe? Es ist keine Kulisse, sondern ein Motor. Du gehst nicht hin, um was zu „erleben“ – du erlebst es einfach, indem du da bist. Du kaufst Blumen beim Stand gegenüber, holst dir eine Leberkässemmel beim Bäcker um die Ecke, und setzt dich dann auf den Hügelrand. Du beobachtest das Chaos. Die Tauben, die Kinder, die Radfahrer, die Studenten. Und du denkst: „Mann, diese Stadt hat Persönlichkeit. Und die hat ihren Wohnsitz am Urban Loritz Platz 4.“

Also, wenn du mal in Wien bist und jemand sagt: „Wir treffen uns am Kreisel mit dem Beton-Donut“ – dann weißt du genau, was gemeint ist. Nimm dir eine Cola mit, setz dich auf den Rand, und warte. Du wirst alles sehen, was das Leben zu bieten hat: Hektik, Gemütlichkeit, und eine Portion kühnes Design. Glaub mir, du wirst lächeln. Und vielleicht sogar nicken.
„Ja, genau so ist das.“
