Reisnerstraße 40 1030 Wien
Stell dir vor: Du stehst in Wien, im dritten Bezirk, vor einem Haus, das aussieht, als hätte es die Zeit vergeblich versucht, es zu vergessen. Reisnerstraße 40, 1030 Wien. Klingt erstmal nach einer Adresse für Steuerberater oder muffige Büros. Aber halt! Hier wohnt echte Wiener Geschichte, und zwar die Sorte, die man nicht im Reiseführer findet, sondern nur beim Kaffeeplausch mit der Nachbarin, die seit 1972 den Lift blockiert.
Das Haus der tausend kleinen Geheimnisse
Das Gebäude selbst? Es ist ein Gründerzeithaus, gebaut als die Welt noch überschaubar war – Ende des 19. Jahrhunderts. Die Fassade ist nicht protzig, eher „dezent morbide“. Aber genau das macht den Charme aus. Hier haben nicht nur Spießer gewohnt, sondern auch ein Zauberer (echt jetzt! Ein Künstler, der Tauben aus Ärmeln zauberte, bis die Hausverwaltung gegen Federvieh im Treppenhaus klagte).
Und die Klingelschilder? Ein wildes Sammelsurium. Zwischen „Dr. Müller, Facharzt für Fußpflege“ und „Atelier für Klanginstallationen“ findest du „Ing. Meier & Sohn, Spezialist für Dachbodenflohmärkte“. Ja, die haben da oben tatsächlich einen Flohmarkt im Dachgeschoss. Einmal im Monat. Mit Vinyl, das nach Mottenkugeln riecht, und einem Kater, der als Kassierer fungiert.
Die skurrilen Bewohner und ihre Dramen
Du glaubst, deine Nachbarn sind seltsam? In der Reisnerstraße 40 wohnte mal eine Frau, die ihre 15 Katzen alle „Gustav“ nannte und behauptete, sie hätten einen eigenen Instagram-Account. Der Account wurde gelöscht, weil die Katzen zu oft Postings über ungefragte Nachbarschafts-Einblicke veröffentlichten. Heute wohnt dort ein Paar, das samstags Jodel-Wettbewerbe im Hof veranstaltet. Die Hausverwaltung findet das „akkustisch herausfordernd“, aber der Kaffee wird besser, wenn man zum Rhythmus von „Hol dir frische Semmeln“ mitwippt.
Was sagt der Grundbuchauszug? (Spoiler: wild!)
Laut Archiv ist das Haus von einem Grafen erbaut worden, der sich beim Pokern mit der Keksfabrik „Manner“ verspekulierte. Deshalb befindet sich im Hinterhof – Überraschung! – eine Mauer mit eingemauerten Neapolitaner-Schnitten. Die Firma klagte, bekam aber nur eine symbolische Entschädigung. Heute kleben Fans heimlich aktuelle Schokowaffeln dran. Kein Scherz. Es gibt eine Google-Bewertung dafür: „Einmaliges Erlebnis, der Schoko-Mauer-Kuss bringt Glück.“

Praktisch? Ja, aber mit Stil
Die Wohnungen? Altmodisch: dicke Wände, hohe Decken, und ein Klo im Stiegenhaus, das nach 150 Jahren aussieht wie eine Mischung aus Wiener Kaffeehaus und viktorianischer Verhörkammer. Dafür hat jeder Balkon mindestens zwei Geranienkästen. Die wachsen wie Unkraut, weil der Hausbesitzer ein ehemaliger Gärtner der Staatsoper ist und heimlich mit Guano düngt. Der Aufzug? Ein rostiges Ungetüm, das nur funktioniert, wenn man während der Fahrt „I am from Austria“ von Rainhard Fendich summt. Anders geht nicht. – Die Nachbarn akzeptieren das inzwischen.
Fazit für den mutigen Leser
Also, Willkommen in der Reisnerstraße 40. Hier wird Geschichte nicht im Museum gelehrt, sondern im Lift mit zwei Tonnen Charakter. Wenn du eine Wohnung ergatterst, bring Ohrenstöpsel mit (wegen der Jodler) und eine Schachtel Manner-Schnitten (für die Opfergaben an der Mauer). Und wenn dir der Hausbesorger misstrauisch mustert, sag einfach: „Ich komm‘ wegen der Katzenfotos“. Dann lacht der, und du bist drin. Versprochen.
