Gerhardusgasse 19 1200 Wien
Es gibt Adressen, die klingen nach nichts – und dann gibt es die, die nach einem kleinen Geheimtipp klingen. Gerhardusgasse 19 im 20. Bezirk gehört definitiv zur zweiten Kategorie. Hier, im Herzen des Brigittenau, zwischen altem Wiener Charme und frischem, urbanem Puls, liegt ein Ort, den man nicht einfach „passiert“. Man entdeckt ihn.
Was genau ist die Gerhardusgasse 19?
Stell dir vor: Du schlenderst die Wallensteinplatz-Ecke entlang, vorbei an einem kleinen türkischen Bäcker, der noch mit Holzofen backt, und biegst in eine ruhige, von alten Bäumen gesäumte Gasse. Hausnummer 19 ragt leicht versetzt auf – ein typisch wienerischer Altbau mit einem Innenhof, der im Frühling nach Lindenblüten duftet. Kein schickes Loft, sondern ein echtes Wohnhaus. Mit Leben. Manchmal hängt ein Kunstprojekt im Stiegenhaus, manchmal trifft man die Nachbarin, die gerade ihre Kletterpflanze gießt.
Fun Fact: Die Gasse ist nach Gerhardus, einem lokalen Heiligen aus dem 10. Jahrhundert, benannt – was seltsam ist, denn der Bezirk ist eher für seine industrielle Vergangenheit bekannt. Vielleicht ist genau diese Mischung aus Sakralem und Alltag das, was diesen Fleck so besonders macht.
Warum du hier mal vorbeischauen solltest (auch wenn du nicht hier wohnst)
Der wahre Zauber liegt im unmittelbaren Umfeld. Fünf Minuten zu Fuß? Restaurants, die nicht auf Instagram gehyped werden, sondern von Stammgästen leben. Zum Beispiel das “Gasthaus zum Bären” an der Ecke – ein urwienerisches Beisl mit hausgemachter Erdäpfelsuppe. Oder der kleine Bücherschrank direkt vor Nummer 17, den die Anwohner mit Krimis und Reiseführern bestücken.
Und dann ist da noch der Blick: Wenn du auf den Balkon von einer Wohnung in der Gerhardusgasse 19 stehst, siehst du über die Dächer bis zum Donauturm. Ein Panorama, das im Abendlicht aussieht wie eine Postkarte aus einer besseren Zukunft.

Praktische Tipps für deinen Besuch
1. Timing ist alles: Komm am Samstagvormittag. Dann duftet es aus den Fenstern nach Buchteln und frischem Kaffee. Der Brigittenauer Markt (10 Minuten zu Fuß) ist in vollem Gange – hier kaufst du beste Marillen und hörst das echte, ungeschliffene Wienerisch.
2. Der geheime Durchgang: Hinter der Gerhardusgasse 19 führt ein unscheinbarer Gang zum Wallensteinplatz-Spielplatz. Ein perfekter Ort für eine kleine Auszeit mit einer Melange to go.

3. Kultur vor der Haustür: Das Vindobona – ein altes Kino, heute Kulturzentrum – liegt nur drei Minuten entfernt. Hier gibt es oft Konzerte und Lesungen, die nie überlaufen sind. Schau auf den Spielplan – und setz dich einfach hinten rein.
Kleine Kulturgeschichte: Von Arbeitern und Träumern
Wien 20 – das war früher Industriegebiet. Die Gerhardusgasse selbst war eine Arbeitergasse. Heute ist sie ein buntes Sammelsurium: Studenten teilen sich WGs mit alten Wiener Damen, die noch „Guten Morgen, Herr Nachbar“ sagen. Spannend: Im Haus Nummer 19 wohnte in den 1980ern kurzzeitig ein Mitglied der legendären Wiener Gruppe – eine Art Anti-Kunst-Kommune. Heute hängen hier eher Fahrräder am Geländer und Balkonkästen voller Kräuter.

Ein kultureller Tipp: Lies “Die Angst des Tormanns beim Elfmeter” von Peter Handke, während du auf einer Bank vor der Nummer 19 sitzt. Das Buch spielt nicht hier – aber die Stimmung der ruhigen, leicht verregneten Gassen passt perfekt.
Der tägliche Blick
Gerhardusgasse 19 lehrt uns eine kleine, feine Lektion: Glück findet man nicht in den großen Adressen, sondern in den kleinen. In der Art, wie das Licht durch die alten Bäume fällt. In der netten Geste eines Unbekannten, der dir die schwere Hoftür aufhält. Im Duft von Kaffee und Regen, der am Morgen aus einer offenen Küche strömt.
Vielleicht ist das der Grund, warum man diese Adresse nicht vergisst. Sie ist kein Ziel, sondern ein Zustand. Ein leises Versprechen, dass Wien immer noch ein Dorf aus versteckten Winkeln und echten Geschichten ist. Also: Wenn du das nächste Mal durch den 20. Bezirk schlenderst, nimm einen Umweg. Gerhardusgasse 19 wartet auf dich – mit einer Bank, einem Baum und ganz viel Leben.
