14 Havi Fizetés Ausztriában
14 Gehälter: Der Mythos vom geldregneten Paradies
Also, ehrlich. Wenn ich höre, wie Leute schwärmen: „In Österreich kriegst du 14 Gehälter!“ – dann muss ich immer ein bisschen schmunzeln. Oder laut lachen. Oder mit dem Kopf schütteln. Denn Leute, 14 Havi Fizetés Ausztriában – das klingt wie der Jackpot des Lebens, oder? Ein bisschen so, als ob der Weihnachtsmann, der Osterhase und die Zahnfee einen gemeinsamen Geldautomaten betreiben.
Die Wahrheit? Sie ist viel prosaisch. Und ein bisschen gemein.
Erstmal: Ja, es stimmt. Ihr bekommt zwei extra Gehälter. Einmal im Sommer (Urlaubsgeld) und einmal im Winter (Weihnachtsgeld). Klingt fantastisch. Aber halt – lest das Kleingedruckte. Denn dieses ganze 14. Gehalt ist kein reines Geschenk. Es ist ein großer, schwerer Vorschuss auf euer normales Jahresgehalt. Ihr spart sozusagen jeden Monat 1/12 von zwei Monatslöhnen, nur damit ihr euch zweimal im Jahr wie ein König fühlen könnt. Aha.
„Ein Freund von mir hat mal gesagt: In Österreich kriegst du nicht 14 Gehälter. Du kriegst Zwölf, und die nächsten zwei sind deine Ersparnisse, die dir vom Chef mit einem Lächeln überreicht werden.“
Ich finde das System durchaus charmant. Wirklich. Es ist ein bisschen, als ob deine Oma dir jeden Monat 50 Euro in eine Keksdose steckt und dir dann im Dezember die Dose mit einem spitzen Kommentar über deine „Ausgaben für unnötigen Klimbim“ übergibt. Nur dass die Oma hier das Finanzamt heißt und die Keksdose das Bruttogehalt ist.
Aber das eigentliche Problem ist nicht das System. Das eigentliche Problem ist die gefühlte Realität. Du sitzt im September da, denkst: „Geil, im November kommt das 13. Gehalt! Ich kaufe mir endlich diese Flugreise nach Thailand. Oder eine neue Waschmaschine. Oder – was weiß ich – einen Monat lang nur Avocado-Toast!“

Dann kommt der November. Und du schaust auf dein Konto. Und da steht: 14.000 Euro brutto. Wow! Aber dann kommt der Abzug. Die Sozialversicherung. Die Steuer. Die Kirchensteuer. Die Betriebsratsumlage. Und plötzlich sind aus den 14.000 Euro vielleicht noch 8.500 Euro netto. Immer noch viel. Aber dann denkst du: „Ach ja, die Heizung muss repariert werden. Und der Zahnarzttermin nächste Woche. Und das Geschenk für die Nichte.“ Zack – der Thailand-Trip ist ein Ausflug ins Burgenland.
Und das Schlimmste? Die Leute, die wirklich von 14 Gehältern profitieren, sind die, die eh schon mehr haben. Leute mit einem dicken Brutto von 6.000 Euro oder mehr. Die lachen sich kaputt. Die haben dann im Dezember ein Extrageld, um sich ein zweites Auto oder eine Cabriofahrt zu gönnen. Für den Normalo (so wie mich) ist das 14. Gehalt einfach die Rettung vor dem Dispo-Kredit.

Ich will nicht sagen, dass das System schlecht ist. Es ist nur … typisch österreichisch. Ein bisschen besoffen von der eigenen Großzügigkeit. Man klopft sich auf die Schulter, weil man den Arbeitnehmern 14 Monatsgehälter zahlt, aber vergisst, dass man ihnen im Gegenzug die Steuerprogression auf den Kopf haut. Es ist wie ein Witz, den nur die Reichen verstehen. Oder die, die in der Wiener Innenstadt wohnen und nie Probleme mit dem Geld haben.
Aber wisst ihr, was das Witzigste ist? Ich mache trotzdem mit. Jedes Jahr. Ich freue mich im November wie ein kleines Kind auf das 13. Gehalt. Ich male mir aus, wie ich das ganze Geld für Blödsinn ausgebe. Und dann, am 15. November, sitze ich da und überweise die Hälfte an die Bank. Und die andere Hälfte? Die liegt auf dem Sparbuch. Nur für den Fall, dass im Jänner wieder mal die Waschmaschine kaputtgeht.
Also: 14 Havi Fizetés Ausztriában – ein schöner Traum. Ein ziemlich teurer Traum. Aber ein Traum, den ich mir nicht nehmen lasse. Vielleicht kaufe ich mir nächstes Jahr ja wirklich die Reise. Oder zumindest ein besseres Avocado-Toast.
