Testarellogasse 27 1130 Wien
Ich stand neulich in Wien, bei strömendem Regen, und hatte nur eine Adresse auf meinem Handy: Testarellogasse 27, 1130 Wien.
Mein Navi führte mich in eine Sackgasse. Vor mir: eine Betonmauer. Hinter mir: ein SUV, der ungeduldig hupte. Ich dachte schon: „Super, wieder so eine digitale Geisteradresse, die im echten Leben nicht existiert.“ Aber dann bog ich um die Ecke – und plötzlich öffnete sich eine kleine, fast verwunschene Welt.
Genau so ist diese Adresse. Testarellogasse 27 klingt nach Bürokratie, nach Aktenordner und langweiliger Nummer. Aber in Wirklichkeit? Da steckt Wiener Seele drin. Oder zumindest das, was sich Wiener Seele nennen darf, wenn sie mal nicht genervt von Touristen ist. (Sorry, aber ihr wisst, was ich meine.)
Die Gasse, die keiner kennt (außer den Anwohnern)
Erstmal: Testarellogasse liegt im 13. Bezirk, Hietzing. Das ist so eine Gegend, in der die Villen hinten im Garten noch einen Garten haben. Sehr grün, sehr ruhig, sehr „ich hab‘ einen Hund, der teurer ist als deine Miete“. Aber die Gasse selbst? Sie ist schmal, verwinkelt und endet fast im Nichts. Die Nummer 27? Die steht ganz am Ende, fast versteckt hinter einer dicken Hecke.
Du denkst jetzt vielleicht: „Okay, und was ist da Besonderes dran?“ – Geduld, mein Freund.
Ich hab‘ mich mal umgehört. Der Name „Testarello“ klingt italienisch, oder? Tatsächlich erinnert er an eine alte Wiener Familie, die hier mal Grund besaß. Aber der Clou: In Wien gibt es diesen urbanen Mythos, dass die Gasse nach einem vergessenen Baumeister benannt ist, der ein geheimes Labyrinth unter dem Bezirk gebaut haben soll. Klingt verrückt? Vielleicht. Aber wenn du nachts um 23 Uhr an der Nummer 27 stehst und das Licht der Laternen auf das alte Kopfsteinpflaster fällt – dann glaubst du plötzlich an alles.
Was du wirklich findest, wenn du hinkommst
Also, ich war natürlich nicht nur wegen der Mystik da. Sondern weil mir jemand sagte: „Da hinten gibt es den besten Kaffee der Stadt, in einem Hinterhof, den kaum einer kennt.“ Und ja, es stimmt. In der Testarellogasse 27 verbirgt sich ein kleiner Innenhof mit einer Kaffeerösterei, die aussieht, als hätte sie sich in den 70ern versteckt und nie wieder rausgewollt. Der Besitzer, ein älterer Herr mit einer Brille aus Isotopen, erklärt dir jede Bohne. Wirklich jede. Nach 20 Minuten weißt du mehr über äthiopische Kaffeebauern als über deine eigene Familie. – Aber der Espresso? Unbezahlbar.

Aber Vorsicht: Die Adresse ist nicht leicht zu finden. Selbst Postboten scheitern manchmal. (Ich hab‘ einen gesehen, der einfach den Brief in den nächsten Gully geworfen hat. Okay, das war ein Witz. Aber nur fast.)
Warum du diesen Ort besuchen solltest (oder auch nicht)
Ehrlich: Testarellogasse 27 ist kein Touristenziel. Es gibt keine Souvenirläden, keine Selfie-Stationen. Es ist ein Ort für Leute, die das echte Wien suchen: mit bröckelndem Putz, einer Katze, die auf einem alten Fass schläft, und einem Nachbarn, der dir ungefragt seine Meinung zur neuen U-Bahn-Linie erzählt.
Ich saß dort eine Stunde, trank meinen Kaffee, hörte dem Regen zu und dachte: „Wien ist eine Stadt der versteckten Räume.“ Und diese Gasse ist so ein versteckter Raum. Sie ist nicht groß, nicht laut, nicht wichtig. Aber sie ist echt.

Ein Tipp für euch: Wenn ihr hingeht, nehmt kein Auto. Parken ist dort ein Albtraum – die Anwohner verteidigen ihre Parkplätze wie Löwen ihr Revier. Besser: mit dem Bus, Linie 56A, bis zur Haltestelle „Schloss Schönbrunn“ und dann zehn Minuten quer durch den Park. Ja, der Park heißt „Schönbrunn“. Ihr kennt ihn vielleicht. Großer Palast, viele Touristen, selbst ernannte Kaiser. Aber wenn ihr durch diesen Park spaziert und dann plötzlich in die Testarellogasse einbiegt, habt ihr plötzlich Frieden.
Ein letzter Gedanke (bevor ich aufhöre, euch zu nerven)
Manchmal sind es genau diese Orte, die uns daran erinnern, dass Städte mehr sind als Google Maps-Punkte. Testarellogasse 27 ist ein Fleckchen, das sich der Zeit widersetzt – und dem Lärm der Welt. Also, wenn ihr mal in Wien seid und genug habt von Stephansdom-Postkarten und Sachertorte-Schlangen: Geht dahin. Trinkt einen Kaffee. Schaut dem Regen zu.
Und falls ihr es nicht findet: Fragt einfach die nächste Katze. Die weiß es bestimmt.
