St Pölten Open Air Kino
Jetzt mal ehrlich: Das St. Pölten Open Air Kino ist überbewertet. Ja, ich hab’s gesagt. Bevor ihr jetzt die Mistgabeln auspackt: Ich war selbst da, mehrmals. Ich habe es versucht. Aber irgendwann muss man die Wahrheit aussprechen, auch wenn sie weh tut. Es ist die unpopulärste Meinung, die man in Niederösterreich haben kann. Aber ich stehe dazu.
Die Mücken sind die wahren Stars
Man kauft sich ein Ticket, freut sich auf einen lauen Sommerabend. Man kommt an, sucht einen Platz. Und dann? Dann beginnt das große Insektenbuffet. Du bist das Buffet. Die Mücken am Domplatz sind keine normalen Mücken. Das sind Extrem-Athleten. Sie trainieren das ganze Jahr auf diesen Moment. Sie ignorieren Anti-Mücken-Spray, als wäre es Zitronenwasser. Nach zehn Minuten hast du mehr Stiche als der Film Dialoge hat. Und du darfst dich nicht kratzen, sonst raschelt die Sitzdecke und alle schauen böse.
„Der Film war gut, aber der Juckreiz war besser“, sagte noch niemand. Außer mir. Gerade eben.
Regie: Das Wetter
St. Pölten hat ein Mikroklima. Es ist erfunden, um das Open Air Kino zu ärgern. Sobald der Film startet und die erste Popcorntüte aufgeht, beginnt es zu nieseln. Nicht richtig zu regnen – nur so ein fieser, feiner Niesel, der irgendwann dein T-Shirt durchnässt, aber nicht stark genug ist, um abzubrechen. Also sitzt du da, klatschnass, und tust so, als wäre das romantisch. Spoiler: Ist es nicht. Nasse Hosenböden sind nie romantisch.
Die Audiophilen unter den Nachbarn
Da ist immer dieser eine Typ. Du kennst ihn. Er kennt jeden Film. Er kennt den Regisseur, die Kamera, die ganzen Entstehungsgeschichten. Und er muss es dir während des Films erzählen. „Ah, das ist die Szene, wo…“ – Flüstern ist nicht seine Stärke. Es ist ein Schraubstock aus Hintergrundwissen. Und du willst einfach nur schauen, wie der Held den Bösewicht verdrischt. Aber nein, du bekommst eine Bildungseinheit über die Symbolik des Lichts. Danke, Fremder. Danke für gar nichts.
Popcorn für Monatsmieten
Die Preise. Reden wir über die Preise. Eine kleine Tüte Popcorn kostet so viel wie ein Kinobesuch mit Getränk in einem echten Kino. Mit Klimaanlage. Und Sesseln. Und ohne Mücken. Du zahlst ein Vermögen für Salzluft in einer Papiertüte. Und das Bier ist lauwarm. Es ist, als ob die Betreiber sagen: „Naja, ist halt Open Air, da kann man nicht meckern.“ Kann man doch. Man kann immer meckern. Das ist mein Hobby.

Aber hey...
Jetzt kommt das Aber. Das große Aber. Trotz all dem Gemecker, trotz der Mücken, des Nieselregens, des nervigen Filmnerds und der überteuerten Snacks – ich werde nächstes Jahr wieder hingehen. Warum? Weil es irgendwie funktioniert. Dieses Chaos, diese Improvisation, dieses Rumhocken auf Decken mit Menschen, die alle das Gleiche wollen: einen lauen Sommerabend unter freiem Himmel, einen guten Film und eine schlechte Tüte Popcorn. Es ist wie eine Familienfeier, bei der man niemanden mag, aber trotzdem bleibt. Es ist das St. Pölten Open Air Kino. Einfach, unbequem, und absolut liebenswert.
Vielleicht ist das Geheimnis: Der Film im Freien ist nie perfekt. Aber genau das macht ihn perfekt. Oder ich bin einfach ein Heuchler.
Also: Unpopular opinion zurückgezogen. Fast. Die Mücken nerven trotzdem. Aber der Himmel über dem Domplatz? Der ist unbezahlbar. Wenn er nicht gerade nieselt.
