Spar Wartberg An Der Krems
Stellen Sie sich vor, Sie stehen an einem ganz normalen Mittwochnachmittag in Wartberg an der Krems. Der Himmel ist so österreichisch-grau, wie man ihn sich nur wünschen kann, und der Magen knurrt leise, aber bestimmt. Sie brauchen Eier, ganz dringend, denn der Kuchen von gestern Abend war eher eine kleine Katastrophe und muss neu gebacken werden. Wohin also? Logisch: in den Spar in Wartberg.
Dieser Spar ist nicht einfach ein Supermarkt. Nein, das ist eine soziale Drehscheibe mit Obst- und Gemüseabteilung. Kommen Sie mit einem leeren Korb herein, gehen Sie mit einer Packung Eier, einem ungeplanten Schokoladenriegel und den neuesten Dorfklatsch wieder raus. Es ist, als ob Amazon Fresh und das lokale Wirtshaus ein Kind bekommen hätten – und dieses Kind trägt eine Spar-Schürze und lächelt müde.
Die Einkaufswagen-Choreografie
Das Parkplatz-Ritual dort ist eine eigene Sportart. Man stellt sein Auto ab, und ein alter Herr im Lodenmantel nickt einem zu, als würde man sich seit Jahrzehnten kennen. Tatsächlich haben Sie ihn noch nie gesehen, aber das ist egal. Hier kennt man sich – oder tut zumindest so. Und dann die Einkaufswagen: Sie quietschen alle. Nicht leise, sondern laut und mit Überzeugung. Es klingt, als ob ein Familienausflug auf drei Rädern durch die Gänge rumpelt. Aber das gehört zum Charme.
Drinnen fällt als Erstes der Brotberater auf. Nein, das ist kein offizieller Job, aber Herr Gruber (der immer um 15 Uhr kommt) steht minutenlang vor dem Brotregal und hält Zwiesprache mit einem Vollkornbrot. „Heute vielleicht das Dinkelbrot“, murmelt er, als ob das Brot antworten würde. Es antwortet nicht. Aber er nimmt es trotzdem mit. Daneben drängelt sich eine Oma mit einem riesigen Einkaufswagen, der nur eine Packung Butter und drei Zitronen enthält. Sie hat keine Zeit, sie muss zum Stammtisch.
Die Aktion des Monats: Chaos
Falls Sie glauben, dass Spar Wartberg ein Ort der Ruhe ist – weit gefehlt. Die Sonderangebote sind wie eine Flutwelle. Wenn es „Spaghetti für 99 Cent“ gibt, verwandelt sich der Gang in eine Mosh-Pit. Männer in Arbeitskleidung, die sonst nur Traktoren reparieren, balgen sich um die letzten Packungen. Eine junge Frau mit Kleinkind am Arm fischt elegant eine Packung unter einem Stapel hervor – sie hat die Übersicht, sie ist die Königin des Schnäppchen-Jungles. Ich selbst bin einmal mit einem Einkaufswagen voller nur „Billig-Nudeln“ nach Hause gekommen – und hatte keine Soße. Klassiker.

Und dann die Kassenzone. Dort steht Melanie (oder ist es Sabine?). Sie kennt alle Stammkunden mit Vornamen und fragt, ob der Kremser Bier auch wirklich ausreicht für das Wochenende. Dabei hat sie ein Lächeln, das aussieht, als ob sie ihren Job wirklich mag – obwohl sie das fünfte Mal am Tag das gleiche Kleingeld zählt. Wenn Sie Pech haben, ist die Karte kaputt, und Sie müssen Bargeld aus dem Geldbeutel kratzen, während hinten jemand ungeduldig mit dem Fuß tippt. Das ist der Moment, in dem Sie denken: „Hätte ich doch nur in der Früh Brot gebacken.“
Der Kühlregal-Moment
Mein persönliches Highlight ist der Kühlregal-Gang. Es riecht dort nach kaltem Plastik und leicht nach Käse. Zwei ältere Damen diskutieren leise, ob der Bergbaron oder der Gouda für den Kaiserschmarrn besser geeignet ist. Sie haben keine Ahnung, denn Kaiserschmarrn braucht eigentlich nur viel Butter, aber sie diskutieren trotzdem zehn Minuten lang. In der Zwischenzeit überlege ich, ob ich lieber die Eier von den glücklichen Hühnern (teurer) oder die von den traurigen (billiger) nehme. Ich nehme die glücklichen, weil ich mich sonst schlecht fühle – und die Katastrophe vom Vortag noch im Hinterkopf habe.

Am Ende lande ich dann doch mit einem Korb voller Dinge, die ich gar nicht brauchte: eine Packung Kekse, weil sie im Angebot waren, eine Zahnbürste, weil die alte angefangen hat, wie ein Kaugummi auszusehen, und eine Dose Bier, weil ich einfach müde bin. Die Eier habe ich übrigens vergessen. Immer diese Eier.
Fazit fürs Leben
Der Spar Wartberg an der Krems ist nicht perfekt. Er hat knarrende Böden, manchmal ist der Kaffee am Automaten lauwarm, und die Schlangen an der Kasse können länger sein als der Weg von der Arbeit nach Hause. Aber genau das macht ihn aus. Er ist der heimliche Wohnzimmerersatz des Ortes. Hier trifft man den Nachbarn, den man seit drei Wochen nicht gesehen hat, und fragt sich, ob er wohl auch nur wegen der Eier da ist. Hier lernt man, dass ein „Hallo“ von Melanie mehr wert ist als ein digitaler Bon. Und hier merkt man: Das Leben ist chaotisch, manchmal komisch, aber immer ein bisschen heimelig.
Also, das nächste Mal, wenn Sie durch Wartberg fahren und knurrenden Magen haben: Gehen Sie rein. Holen Sie sich die Eier – und die Kekse. Lassen Sie sich Zeit. Vielleicht quietscht der Wagen sogar ein fröhliches Lied. Sie werden es nicht bereuen. Oder doch, aber dann gibt es ja noch den Billa im nächsten Ort – aber den wollen wir hier nicht erwähnen. ;)
