Peer To Peer Kredit österreich
Meine unbequeme Wahrheit über Peer-to-Peer-Kredit in Österreich
Stellen Sie sich vor: Sie sitzen beim Heurigen, der vierte Achterl Grüner Veltliner ist fällig, und plötzlich erzählt Ihnen der Nachbar, er hätte jetzt einen Peer-to-Peer-Kredit aufgenommen. Was machen Sie? Richtig. Sie verschlucken sich fast am Radieschen und denken: "Der spinnt doch!"
Denn seien wir ehrlich: In Österreich vertrauen wir unserem Geld am liebsten dem dicken Sparbuch unter der Matratze. Oder, ganz fortschrittlich, der Bausparkasse von Tante Frieda. Aber einem wildfremden Menschen im Internet Geld leihen? Klingt nach einer Mischung aus Blind Date und Pokern mit verbundenen Augen.
Und trotzdem: Peer-to-Peer-Kredit heißt das Zauberwort, das angeblich die Banken überflüssig macht. Plattformen wie
„rendity"oder
„Auxmoney"versprechen: "Du hast Geld, jemand braucht Geld – wir machen den Heiratsvermittler!" Klingt verlockend, oder? Keine lästigen Bankberater, die mit ihren Schreibblöcken und Tabellen Ihre Kaffeeduft-Fantasie zerstören.
Aber Moment. Meine unpopuläre Meinung ist: Das ist nicht die Befreiung vom Finanzkapitalismus. Das ist der einundzwanzigste Versuch, aus Nachbarschaftshilfe eine Rendite zu quetschen. Und Österreich ist das perfekte Testfeld dafür.
Der österreichische Sonderweg: Misstrauen mit Charme
Wir Österreicher haben ein spezielles Verhältnis zum Geld. Einerseits schreien wir "Schauma moi!" wenn jemand eine neue Idee hat. Andererseits lieben wir nichts mehr als ein bisserl Schaun wir, ob der Nachbar seine Kreditrate zahlt – Hauptsache, der Gschaftlhuber ist nicht dran.
Peer-to-Peer-Kredit funktioniert hier so: Sie geben ihr Erspartes einer Plattform. Die Plattform sucht einen Kreditnehmer – vielleicht einen jungen Unternehmer aus Graz, der seine veganen Krapfen-Küche erweitern will. Oder einen Familienvater aus Linz, der endlich eine neue Waschmaschine braucht. Und Sie hoffen, dass beide ihre Raten zahlen.

„Aber das ist doch modern!", rufen jetzt die Digital-Natives. "Das ist demokratisches Finanzwesen!" Mag sein. Aber haben Sie schon mal einen Österreicher getroffen, der freiwillig auf seine jährliche Kontoauszugs-Kiste aus Papier verzichtet? Eben.
Die drei größten Mythen (die ich trotzdem liebe)
Mythos 1: "Endlich keine Bankgebühren mehr!" – Klar, bis Sie die Provision der Plattform sehen. Die heißt dann „Serviceentgelt" und ist genauso unvermeidlich wie der Stau am Wiener Gürtel um 17 Uhr.
Mythos 2: "Hohe Renditen! 8 Prozent!" – Ja, wenn der Kreditnehmer nicht pleitegeht. Und wenn? Dann nennen wir das nicht Verlust, sondern „Portfoliodiversifikation mit Ausfallrisiko". Klingt besser, ist aber trotzdem ärgerlich.

Mythos 3: "Die Plattform prüft alles!" – Hahaha. Die Plattform prüft, ob der Kreditnehmer eine Handynummer und ein Facebook-Profil hat. Mehr nicht. Das ist ungefähr so gründlich wie die Eingangskontrolle auf einem One-Direction-Konzert.
Warum ich trotzdem lächle (und Sie vielleicht auch)
Sehen Sie, ich will die Peer-to-Peer-Idee nicht schlechtreden. Vielleicht ist der Typ aus Graz wirklich der nächste Richard Branson von der Mur. Vielleicht hilft Ihr Kleingeld einem Studenten aus Innsbruck, der sein Philosophie-Studium ohne Nudelsuppe überleben muss. Das ist schön. Ehrlich.
Aber ich bleibe dabei: In Österreich ist das größte Kapital nicht das Geld, sondern das Grantige-Vertrauen. Wir geben unser Geld nur her, wenn der Nachbar persönlich am Stammtisch schwört, dass der Kreditnehmer seine Oma im Seniorenheim besucht. Das kann keine Plattform ersetzen.
Also, liebe Leser: Wenn Sie das nächste Mal den Begriff Peer-to-Peer-Kredit österreich hören, denken Sie an den Heurigen. An den Nachbarn. An das Radieschen. Und dann überlegen Sie: Wollen Sie wirklich Ihr Erspartes einem Algorithmus anvertrauen, der nicht einmal weiß, was ein Leberkässemmerl ist? Ich nicht. Aber vielleicht bin ich ja nur altmodisch. Oder einfach nur österreichisch.
