Ich Bitte Die Unannehmlichkeiten Zu Entschuldigen
Let me tell you, letztens bin ich 45 Minuten in der S-Bahn gestanden. Drei Stationen, eine Stunde Verspätung, und dann diese Stimme aus dem Lautsprecher: „Wir bitten die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.“ Ich hab nur mit den Augen gerollt. Kennst du das? Dieses Gefühl, wenn eine Durchsage alles erklärt, aber eigentlich gar nichts erklärt?
Da stand ich also, zwischen zwei Leuten mit Rucksäcken (ja, genau die Rucksäcke, die immer im Weg sind), und dachte: „Mann, dieser Satz begleitet mich durchs ganze Leben.“
Denn mal ehrlich: „Ich bitte die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen“ – das ist nicht nur eine Bahnansage. Das ist der Soundtrack der modernen Existenz. Vom kaputten Aufzug im Büro bis zur ausgefallenen Lieferung von deinem neuen Möbelstück. Überall hören wir diesen Satz, und jedes Mal denkst du: Soll das jetzt alles sein? (Spoiler: Ja, tut es leid, aber es ist nicht alles – es ist nur der Satz.)
Aber warte. Moment mal. Ich habe angefangen, ihn zu mögen. Klingt verrückt, oder? Aber hör mir zu: Dieser Satz ist ein kleiner, perfekter Puffer zwischen Chaos und Menschlichkeit. Stell dir vor, die Durchsage würde einfach sagen: „Der Zug fällt aus. Pech gehabt. Bye.“ Das wäre ehrlich, aber auch irgendwie kalt. Und „Ich bitte die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen“? Das ist wie ein digitales Schulterzucken mit Anzug. Es gibt dir das Gefühl, dass jemand zumindest so tut, als ob er sich kümmert. (Okay, manchmal ist es nur Fassade, aber Fassade ist auch was wert.)
Ich hab mal einen Typen getroffen, der diesen Satz so oft benutzt hat, dass ich dachte, er wäre sein Spitzname. Jedes Mal, wenn etwas schiefging – ob er den Kaffee verschüttete oder die Präsentation vergaß – sagte er mit ernster Miene: „Ich bitte die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.“ Ein Kollege von mir hat ihn dann im Meeting korrigiert: „Sag doch einfach ‚Sorry‘, ist doch schneller.“ Aber nein, der Typ bestand darauf, dass nur dieser formelle Satz die richtige Würde in die Panik bringt.

Und das ist der Punkt, den ich liebe: Die Magie dieses Satzes liegt in seiner Umständlichkeit. Wenn du ihn hörst, bist du nicht sauer, sondern fast schon gerührt. Weil jemand die Mühe macht, drei Wörter zu sagen, die eigentlich nur bedeuten: „Ich hab keine Ahnung, wie ich das in Ordnung bringen soll, aber ich möchte, dass du weißt, dass ich wenigstens ein schlechtes Gewissen habe.“ (Und manchmal reicht das, oder?)
Ich meine, denk mal an dein Privatleben. Hast du diesen Satz schon mal in einer Beziehungskrise gehört? Fällt mir spontan ein: Nach einem Streit um die Spülmaschine. „Ich bitte die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen“ – das klingt nach einem liebevollen, aber völlig überforderten Partner. Oder im Freundeskreis: Wenn du deinem Kumpel deine kaputte PlayStation leihst, er sie fallen lässt und dann so redet. Da musst du einfach lachen, egal wie ärgerlich es ist.

Aber jetzt mal im Ernst: Wenn dieser Satz eine Superkraft hätte, wäre es das Beschwichtigen. Er ist der diplomatische Zwilling von „Tut mir leid“ und der kleine Bruder von „Das darf nicht wieder vorkommen“. Er sagt nicht: „Ich mach’s wieder gut.“ Er sagt: „Ich schiebe die Verantwortung auf die Universal-Energie, aber ich bleib höflich.“ Und genau das macht ihn so menschlich. (Oder so deutsch? Ja, wahrscheinlich beides.)
Ich hab neulich in einem Café einen Zettel gesehen: „Aufgrund von Personalmangel bitte ich die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.“ Der Kaffee kam kalt, aber ich habe gelächelt. Weil der Satz mich daran erinnert hat, dass Unannehmlichkeiten ein Teil des Lebens sind. Alles läuft schief – die Bahn, die Lieferung, der Job, die Beziehung. Und dann kommt dieser Satz wie ein kleines, formelles Taschentuch, das dir jemand für die Tränen der Enttäuschung reicht. Es ist nicht genug, aber es ist etwas.

Ach ja, und die Moral? Keine Ahnung. Vielleicht einfach: Sag es öfter. Nicht nur aus Höflichkeit, sondern weil es dich auf eine sympathische Art dumm dastehen lässt. Wenn das nächste Mal der Toaster brennt, wirf den Satz ein: „Ich bitte die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.“ Ich garantiere dir: Es wird keiner mehr böse sein. Vielleicht noch ein bisschen böse, aber sie werden lachen müssen. Und das ist doch auch eine Art von Frieden.
Also, nächstes Mal in der S-Bahn: Wenn die Durchsage kommt, denk an mich. Schließ die Augen, atme tief durch, und flüster leise: „Ich auch. Ich bitte auch um Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten der Welt da draußen.“ Karin neben dir mit dem Rucksack wird dich komisch angucken, aber das ist okay. Manchmal muss man die kleinen Unannehmlichkeiten einfach mit einem Lächeln und einem Sprachschnipsel nehmen. In diesem Sinne: Entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten dieses Artikels. (Mir tut’s nicht leid, ehrlich. Hat Spaß gemacht.)
