Sachen Die Man Sich Zu Weihnachten Wünschen Kann
Jedes Jahr das gleiche Drama: Man sitzt da, die Tanne glitzert, der Glühwein dampft, und plötzlich fragt dich jemand: „Was wünschst du dir denn zu Weihnachten?“ Und du? Du stammelst etwas von Socken oder Büchern, obwohl du eigentlich genau weißt: Das ist die größte Lüge seit dem Satz „Ich putze nur kurz die Fenster.“
Weihnachten ist die Zeit der unausgesprochenen Bedürfnisse. Nicht die von der Werbung mit den dicken Autos oder dem goldenen Schmuck. Nein, es geht um die kleinen, absurden Dinge, die das Leben leichter machen – und um die wir uns nie trauen, laut zu bitten.
1. Die Sache mit dem „perfekten“ Ladegerät
Kennst du das? Du hast fünf Ladegeräte zu Hause, aber keins funktioniert richtig. Eins ist zu langsam, eins hat einen Wackelkontakt, und das dritte liegt seit Oktober unter dem Sofa. Was du wirklich willst? Ein einziges Kabel, das nicht nervt. Aber sag das mal Oma. „Ich wünsche mir ein USB-C-Kabel mit 100 Watt Power Delivery.“ – Sie schaut dich an, als hättest du verlangt, den Weihnachtsbaum zu streamen.
Eigentlich will ich doch nur Ruhe vor der Technik-Frustration. Aber weil das uncool klingt, bestelle ich mir heimlich selbst das Kabel und tue am 24. so, als wäre es eine Überraschung. Schleichwerbung fürs eigene Glück.
2. Der Traum vom leeren Kühlschrank
Jedes Jahr das Gleiche: Der Kühlschrank quillt über wie ein Raketentreibstofflager. Kartoffelsalat, Braten, drei Sorten Plätzchen, und dann kommt Tante Hilde mit ihrer „selbstgemachten“ Roten Grütze, die seit 1998 niemand gegessen hat. Was ich mir wünsche? Einen leeren Kühlschrank – aber nur für einen Tag. Einen Tag ohne die Frage: „Muss das noch weg?“ Einen Tag, an dem ich einfach nur ein Brot essen kann, ohne Reste-Gewissen.
Stattdessen schenkt mir jemand eine Butterdose. Danke. Ich habe jetzt drei. Aber die Sehnsucht nach einem leeren Kühlschrank? Die bleibt – wie die Plätzchen von 2022.

3. Geschenke, die wie Urlaub ohne Koffer sind
Ehrlich: Das beste Geschenk ist Zeit. Aber nicht diese „Wir treffen uns mal zum Kaffee“-Zeit, sondern echte Zeit. Also: Jemand sagt: „Ich pass am 26. auf deine Kinder auf, und du schläfst bis 10.“ Oder: „Ich koche heute Abend. Du musst nichts entscheiden.“ Das ist wie ein Gutschein fürs Nicht-denken-müssen. Besser als jedes Parfüm, das nach „Wäsche aus den 90ern“ riecht.
Letztes Jahr schenkte mir ein Freund einen „Tag ohne Termine“ – er hat einfach alle meine Kalendereinträge gelöscht. Klingt banal, war aber magisch. So etwas wünscht man sich heimlich, aber man sagt: „Ach, ein Buch ist auch schön.“
4. Die Wahrheit über Socken
Ja, Socken sind beliebte Geschenke. Aber mal ehrlich: Die meisten Socken sind falsch. Sie sind zu dick, zu dünn, zu bunt oder zu sehr wie für einen Bruchpilot designt. Was ich wirklich will? Socken, die nie verrutschen. Dieses eine Paar, das perfekt am Knöchel sitzt, ohne zu drücken oder nach unten zu rutschen. Die gibt es. Aber sie werden nie verschenkt – weil man selbst nicht weiß, wo man sie kaufen kann. Weihnachts-Tragödie Nummer 1.

Stattdessen öffnet man eine Packung mit Rentier-Motiven und tut so, als wäre das der Gipfel der Gemütlichkeit. „Oooh, Danke!“ – während innerlich die Beine schon nach 12 Stunden Juckreiz schreien.
5. Die große Sehnsucht: Gar nichts
Weihnachten hat eine Sache perfektioniert: Erwartungen. „Was wünschst du dir?“ heißt eigentlich: „Erfinde jetzt eine Antwort, die nicht enttäuscht und nicht zu extravagant ist.“ Was wäre, wenn man einfach sagt: „Ich wünsche mir, dass heute Abend niemand streitet, dass der Ofen nicht anbrennt und dass ich um 22 Uhr ins Bett gehen kann, ohne schlechtes Gewissen.“
Stattdessen wünscht man sich ein Küchenmaschinen-Zubehör-Set, weil man denkt: Das macht mich zum perfekten Gastgeber. Am Ende ist das Teil zu kompliziert, und man nutzt es nie wieder. Aber die Stille, das Nichtstun? Das wäre das Geschenk aller Geschenke. Vielleicht sollte man es ab jetzt einfach „Weihnachtsfrieden“ nennen. Klingt spirituell, ist aber pure Selbstfürsorge.

6. Und dann die kleinen, peinlichen Wünsche
Ich wünsche mir jedes Jahr heimlich einen XXL-Vorrat dieser mini-Salami-Sticks aus der Weihnachtstüte. Du weißt schon: Diese eklig-liebenswerten Dinger, die nach Plastik schmecken, aber aus irgendeinem Grund Glück auslösen. Oder ich wünsche mir, dass jemand meine Lieblingsserie von 2005 auf DVD findet – die es nicht mehr gibt. Oder dass mein Nachbar um 23 Uhr endlich aufhört, „Last Christmas“ auf dem Schlagzeug zu üben.
Aber man sagt das nicht. Man sagt: „Eine schöne Pflanze wäre toll.“ Und dann bekommt man einen Kaktus. Einen, der nicht stirbt. Symbol fürs Leben: robust, aber stachelig.
Fazit der Wunsch-Krise
Also, falls dich dieses Jahr jemand fragt, was du dir zu Weihnachten wünschst: Sag einfach die Wahrheit. Sogar wenn es „Einen Tag ohne WhatsApp“ oder „eine komplette Serie Plätzchen, die nicht krümeln“ ist. Es ist dein Fest. Und die beste Geschenke sind die, die man sich nicht traut zu sagen – aber vielleicht traut sich dieses Jahr ja mal jemand, zuhören.
Und falls nicht: Kauf dir selbst die Salami-Sticks. Weihnachten ist auch Selbstfürsorge. Mit oder ohne Rentier-Muster.
