Wann Winterreifenpflicht
Jedes Jahr im Herbst passiert es. Die Blätter fallen, die Temperaturen sinken – und plötzlich ist sie wieder da: die große, deutsche Winterreifenpflicht. Ein Gesetz, das wie ein ungebetener Gast jedes Jahr pünktlich zur Kürbissuppe auftaucht. Ich möchte mal eine kleine, ehrliche Sache ansprechen: Ich habe da so meine Zweifel.
Klar, Sicherheit ist wichtig. Aber mal ehrlich: Gibt es etwas Schlimmeres als die Suche nach den Reifen im Keller? Du kriechst in die hinterste Ecke, hinter dem Weihnachtsschmuck und der kaputten Gießkanne. Du wirst staubig, du fluchst, und am Ende stellst du fest:
„Ach, die habe ich doch letztes Jahr beim Sommerreifenwechsel in die andere Garage gelegt!“Ein klassischer Reifen-Horror.
Die Temperaturen lügen doch eh
Und dann die Diskussionen: „Aber es ist ja nicht kalt genug!“ – „Winterreifenpflicht heißt: bei Glatteis, Schnee oder winterlichen Straßenverhältnissen. Nicht bei 10 Grad plus und Sonnenschein!“ Das sagen die Experten. Aber sag das mal deinem Nachbarn, der schon im September mit dicken Gummis herumfährt. Der schaut dich an, als ob du Sommerreifen im Skigebiet fahren würdest. Ist das wirklich so schlimm?
Ich behaupte: Die Winterreifenpflicht ist ein bisschen wie die Schweizer Armee – jeder redet darüber, aber keiner weiß genau, was passiert, wenn man sie ignoriert. Natürlich, bei Schnee und Eis sind gute Reifen ein Segen. Aber im November, wenn die Straßen aussehen wie nasser Asphalt? Da fährt sich mein Ganzjahresreifen irgendwie auch ganz entspannt.
„Aber sicher ist sicher!“– sagen die Reifenhändler und reiben sich die Hände. Ja, sicher für ihr Konto!

Der große Reifen-Wechsel-Sport
Ganz ehrlich: Der Wechsel selbst ist ein olympischer Sport. Du brauchst einen Wagenheber, ein Drehmoment – für den habe ich keinen Führerschein – und mindestens drei Stunden Zeit. Und dann die Reifen selbst! Sind die noch gut? Hat da jemand mit Mindestprofiltiefe gepennt? Der Bart vom Reifenmonteur, der letztes Jahr noch so freundlich war, sieht auf einmal sehr mürrisch aus. Die Paranoia ist groß.
Und was ist mit den ganzen „O bis O“-Sprüchen? Oktober bis Ostern. Das klingt so einfach. Aber wer hat schon den Oktober im Kopf, wenn es noch 20 Grad sind? Ich fühle mich jedes Jahr wie ein schlechter Schüler, der seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Die Polizei wartet doch nicht wirklich hinter der nächsten Kurve, um mein Reifenprofil zu messen, oder? Oder doch?

Mein unpopulärer Vorschlag: Lasst die Kirche im Dorf. Die Winterreifenpflicht ist eine gute Idee für die Alpen. Für die Stadt, in der es vielleicht zwei Tage schneit und sonst nur nass ist? Ich bin mir nicht sicher. Vielleicht sollten wir mehr auf Vernunft setzen und weniger auf Gesetze.
„Ich fahre nur bei Matsch langsam!“– das sollte doch reichen, oder?
Aber genug gemeckert. Am Ende des Tages bin ich auch nur einer von denen. Ich werde im November in die Werkstatt gehen, 100 Euro blechen und meine Winterreifen aufziehen lassen. Denn wehe, es kommt der erste Frost. Dann stehe ich da, schleudere im Kreis herum und denke: „Hätte ich mal auf den Reifenmonteur gehört!“ Also machen wir es einfach. Für den Frieden. Und für die Versicherung. Denn die lacht nicht. Die Winterreifenpflicht – ein notwendiges Übel, das uns alle zusammenschweißt. Hauptsache, der Kaffee danach schmeckt.
